Kapitalstrafsachen

Unter Kapi­tal­straf­sa­chen versteht man Straf­ver­fahren mit dem Vorwurf eines Tötungs­de­likts. Sowohl wegen der im Fall des Schuld­spruchs drohenden gravie­renden Rechts­folgen – bei Mord zwin­gend lebens­lange Frei­heits­strafe -, als auch wegen der beson­deren Schwie­rig­keiten der Beweis­füh­rung stellen Kapi­tal­straf­ver­fahren an den Vertei­diger beson­dere Anfor­de­rungen.

So wie es bei Polizei, Staats­an­walt­schaft und Gerichten Sonder­zu­stän­dig­keiten für Kapi­tal­straf­ver­fahren gibt (Schwur­ge­richte), erfor­dert quali­fi­zierte Vertei­di­gung in diesen Verfahren spezi­elle Kennt­nisse und Fähig­keiten des Vertei­di­gers.

Eine Beweis­füh­rung ist in Kapi­tal­straf­ver­fahren meis­tens nur mithilfe  des Fach­wis­sens verschie­dener Spezi­al­wis­sen­schaften möglich. Die Klärung von Todes­ur­sache und Todes­um­ständen erfor­dert regel­mäßig medi­zi­nisch-patho­lo­gi­sche oder auch toxi­ko­lo­gi­sche Kennt­nisse, ein Tatnach­weis hinsicht­lich des Beschul­digten oder die Wider­le­gung des Tatvor­wurfs sind oft nicht möglich ohne spezi­elles krimi­na­lis­ti­sches Wissen (Ballistik u.a.).

Fast sämt­liche Tötungs­de­likte sind Affekt- und Bezie­hungs­taten, bei denen der Täter unter extremer emotio­naler Anspan­nung und Belas­tung handelt. Der kalt und rational geplante Mord ist die Ausnahme und kommt zumeist nur im Krimi vor. Diese Taten sind ohne Verstehen psychi­scher Vorgänge nicht nach­zu­voll­ziehen und zu erklären. Zur Beur­tei­lung des Tatab­laufs, der Tatmo­ti­va­tion und der Schuld (-fähig­keit) des Täters sind psycho­lo­gisch-psych­ia­tri­scher Spezi­al­kennt­nisse vonnöten.

Zwar werden in diesen Fällen regel­mäßig Sach­ver­stän­dige der betrof­fenen Spezi­al­wis­sen­schaften mit der Erstat­tung von Sach­ver­stän­di­gen­gut­achten beauf­tragt. Die Praxis zeigt aller­dings, dass diese Gutachten keines­falls frei von Fehlern und häufig angreifbar sind. Quali­fi­zierte Vertei­di­gung in Kapi­tal­straf­ver­fahren bedarf substan­ti­eller Kennt­nisse zumin­dest der Grund­lagen dieser Fach­wis­sen­schaften. Allein dies versetzt die Vertei­di­gung in die Lage, die vorge­legten Sach­ver­stän­di­gen­gut­achten zu hinter­fragen und den Sach­ver­stän­digen in der Haupt­ver­hand­lung kritisch zu befragen.

Durch stän­dige Befas­sung und Fort­bil­dung tun wir unser Bestes, um allen Anfor­de­rungen gerecht zu werden.