Sturz im Krankenhaus/Pflegeheim: Wer muss die Sorgfaltspflichtverletzung beweisen?

Arzt­haf­tungs­pro­zesse werden nach der jeweils geltenden Beweis­last­ver­tei­lung entschieden. In der Regel muss der Patient darlegen und auch beweisen, dass dem Arzt bzw. dem Personal des Krankenhauses/ Pfle­ge­heimes ein Fehler unter­laufen ist. Bestehen daran Zweifel, geht dies voll zu Lasten des Pati­enten. Eine wich­tige Ausnahme von diesem Grund­satz kann für Stur­zer­eig­nisse im Kran­ken­haus bzw. in einem Pfle­ge­heim gelten:

Wird ein Patient/ Bewohner aufge­nommen, entspricht es zunächst dem Stan­dard, die Risi­ko­fak­toren (also insbe­son­dere eine Sturz­ge­fähr­dung) zu erfassen. Im Rahmen der Pfle­ge­pla­nung wird dem Pfle­ge­per­sonal sodann vorge­geben, in welchen Berei­chen der Patient/ Bewohner konkrete Hilfe­stel­lungen benö­tigt. Kommt es bei einer solchen „konkret geschul­deten Hilfe­leis­tung“ zu einem Sturz des Pati­enten, so hat abwei­chend von dem oben genannten Grund­satz der Betreiber des Krankenhauses/ Pfle­ge­heims darzu­legen und zu beweisen, dass der Sturz nicht auf einem Fehl­ver­halten des Pfle­ge­per­so­nals beruht.

Dieses rich­tige Ergebnis wird damit begründet, dass für das Pfle­ge­per­sonal in solchen Fällen ein „voll­be­herrsch­bares Risiko“ besteht, denn die Scha­dens­ur­sache ist dem Orga­ni­sa­ti­ons­be­reich des Krankenhauses/ Pfle­ge­heimes zuzu­ordnen und stammt nicht aus der Sphäre des Pati­enten, der sich auf eine ordnungs­ge­mäße Hilfe­leis­tung verlassen darf. Kommt es hingegen zu einem Sturz außer­halb einer solchen Gefah­ren­si­tua­tion, bleibt der Patient in der Regel beweis­pflichtig.

Gerade in Fällen schwerster Sturz­ver­let­zungen, in denen sich die gestürzten Patienten/ Bewohner gege­be­nen­falls gar nicht mehr an das Stur­zer­eignis erin­nern können, empfiehlt es sich daher, zunächst die voll­stän­digen Behand­lungs­un­ter­lagen anzu­for­dern und darauf zu prüfen,  wie und wann es zu dem Sturz gekommen ist und ob das Geschehen für das Pfle­ge­per­sonal „eigent­lich“ voll beherrschbar gewesen wäre.

Rechts­an­walt und Fach­an­walt für Medizin- und Versi­che­rungrecht

Chris­toph Klein­herne