Sturz im Krankenhaus/Pflegeheim: Berücksichtigung bestehender Vorschäden und Gebrechen

Haftungs­recht­lich rele­vant ist vor allem der Sturz eines Pati­enten bezie­hungs­weise Bewoh­ners im Zusam­men­hang mit einer „konkret geschul­deten Hilfe­leis­tung“ (https://www.anwalt.de/rechtstipps/sturz-im-krankenhauspflegeheim-wer-muss-die-sorgfaltspflichtverletzung-beweisen_121507.html)

Weil der Aufent­halt des gestürzten Patienten/Bewohners aufgrund bereits vorbe­stehender Gebre­chen erfor­der­lich war, wird seitens des Haft­pflicht­ver­si­che­rers teil­weise einge­wandt, dass die Verlet­zungs­folgen nicht auf den Sturz sondern auf die bereits vorbe­stehenden Gebre­chen zurück­zu­führen seien.

Nach der Recht­spre­chung des Bundes­ge­richts­hofes (u.a. Urteil vom 19.04.2005, VI ZR 175/04) steht aber eine Mitur­säch­lich­keit, sei es auch nur als Auslöser neben erheb­li­chen anderen Umständen, der Allein­ur­säch­lich­keit haftungs­recht­lich in vollem Umfang gleich. Der Schä­diger kann sich nach stän­diger Recht­spre­chung auch nicht darauf berufen, dass der Schaden nur deshalb einge­treten sei oder ein beson­deres Ausmaß erlangt habe, weil der Verletzte infolge bereits vorhan­dener Beein­träch­ti­gungen und Vorschäden beson­ders anfällig zur erneuten Beein­träch­ti­gung gewesen sei. Wer einen gesund­heit­lich schon geschwächten Menschen verletzt, kann nicht verlangen so gestellt zu werden, als wenn der Betrof­fene gesund gewesen wäre. Dementspre­chend ist die volle Haftung auch dann zu bejahen, wenn der Schaden auf einem Zusam­men­wirken körper­li­cher Vorschäden und den Unfall­ver­let­zungen beruht, ohne dass die Vorschäden “rich­tung­ge­bend” verstärkt werden.

Es genügt also grund­sätz­lich eine „Mitur­säch­lich­keit“ des Sturzes für die einge­tre­tenen Schäden. Der gesamte Schaden wird dann dem Kran­ken­haus­träger zuge­rechnet. Eine Ausnahme besteht nur in den Fällen, in denen der Schä­diger beweisen kann, dass durch den Sturz tatsäch­lich nur ein abgrenz­barer Teil des Scha­dens entstanden ist. Dieser Beweis ist aber regel­mäßig kaum zu führen.

Rechts­an­walt Chris­toph Klein­herne