Schadensersatz wegen der unterlassenen Überprüfung einer unzutreffenden Diagnose

Entschei­dung des OLG München vom 06.10.2011, 1 U 5220/10

Das Ober­lan­des­ge­richt hat in der genannten Entschei­dung den behan­delnden Arzt zur Zahlung von Scha­dens­er­satz verur­teilt.

Dem Pati­enten musste nach mehr­fa­chen Gefäß­ver­schlüssen das rechte Bein im Knie­ge­lenk ampu­tiert werden. Die Gefäß­er­kran­kung war vom behan­delnden Arzt nicht fest­ge­stellt worden. Er hatte viel­mehr die Diagnose einer Erkran­kung des Bewe­gungs­ap­pa­rates gestellt und den Pati­enten über mehrere Jahre mit schmerz­lin­dernden Spritzen behan­delt.

Der Arzt wurde dann nicht, wie man ggf. annehmen könnte, deshalb verur­teilt, weil er die tatsäch­liche Erkran­kung nicht von Anfang an diagnos­ti­ziert hatte. Dies war nach Auffas­sung des Gerichts bei den vom Pati­enten vorge­tra­genen Beschwerden nämlich zunächst “vertretbar”. Nicht mehr vertretbar war dann aber der Umstand, dass der Arzt im weiteren Behand­lungs­ver­lauf an dieser von ihm gefun­denen Diagnose unre­flek­tiert fest­hielt, obwohl unter anderem eine Compu­ter­to­mo­gra­phie kein rele­vantes Ergebnis für eine solche Erkran­kung des Bewe­gungs­ap­pa­rates erbracht hatte. Nach Ansicht des Gerichts wäre es dann zwin­gend die Aufgabe des Arztes gewesen, weiter denk­bare Ursa­chen, also hier insbe­son­dere die Gefäß­er­kran­kung, abzu­klären und ggf. auszu­schließen. Dies tat der Arzt aber nicht. Er hielt viel­mehr an dem von ihm zunächst gefun­denen Ergebnis fest. Für den Pati­enten hatte dies gravie­rende Folgen.

Die Entschei­dung zeigt, dass nicht jede “falsche” Diagno­se­stel­lung zur Haftung des Arztes führen muss. Wenn aller­dings Anhalts­punkte dafür vorliegen, dass das einmal gefun­dene Ergebnis unzu­tref­fend sein könnte, muss der Arzt dieses zwin­gend über­prüfen.

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